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Hildegard von Bingen: Dichtung oder Medizin?

Hildegard von Bingen

 

Schon bei oberflächlicher Beschäftigung mit Kräuterkunde oder heilender Nahrung begegnet einem unweigerlich Hildegard von Bingen. Die Ordensfrau, deren Schrifttum zurzeit wieder eine Renaissance erlebt, wirkte im 12. Jahrhundert. Ihr ganzes Streben galt dem Ziel, die Gesundheit des Menschen zu erhalten. Sie vertrat die Ansicht, dass Gott zu jedem Leiden auch ein Naturheilmittel geschaffen hat. Für sie stellte die Natur eine Apotheke dar, deren man sich nur bedienen musste.

Trotzdem war Hildegard von Bingen keine abgehobene Mystikerin. Im Gegenteil: Sie wusste, dass nur ein tief greifendes Studium der Pflanzen- und Tierwelt, eine genaue Dokumentation der Ergebnisse und viel Erfahrung zum richtigen Umgang mit der Apotheke Gottes gehört. Ihre bedeutendsten Werke über Ursachen und Behandlungen von Krankheiten entstanden in den Jahren 1150 - 1158. Bezeichnenderweise sind die Ansichten der Hildegard von Bingen auch in der chinesischen Medizin und in der asiatischen Gesundheitslehre Ayurveda schon seit Jahrhunderten hoch geachtet.

Ob sie ihr naturkundliches Wissen auch durch göttliche Visionen empfangen hat, ist durchaus umstritten. Manch einer vertritt die Theorie, sie habe die Ergebnisse ihrer Studien auf diese Weise getarnt, um nicht als Hexe zu gelten. Tatsache ist, dass sich auch aufgeschlossene Schulmediziner immer häufiger mit ihrer Heilkunde auseinander setzen und Hildegards Erkenntnisse in ihre Therapien einbeziehen.

Das Universum als Spiegel.

Bei ihren ausgiebigen Naturbeobachtungen konnte Hildegard von Bingen immer wieder das - wie sie es bezeichnete - Wunder Gottes erkennen. Ein perfektes System, in dem alles sinnvoll ist. Und ein System, das sich vom kleinsten Teil bis ins Universum zu erstrecken schien.

Eine entscheidende Leistung der Hildegard von Bingen war es, dieses System auf den menschlichen Organismus umzulegen. So steht im Zentrum ihrer Krankheitsanalyse die Theorie von den vier Körpersäften, die wie die vier Elemente der Erde im gesunden Gleichgewicht sein müssen.

Dank ihrer konsequenten Gedankenfolge kam Hildegard von Bingen zu einem Ergebnis, an dem die moderne Medizin teilweise immer noch knabbert: Körper und Seele sind untrennbar und im Krankheitsfall gleichermaßen zu behandeln. So gibt die Ordensfrau in ihren Werken ganz präzise Rezepte und Behandlungsanleitungen, aber beantwortet auch moralische Fragen zum Umgang mit Körper, Seele und Umwelt.

Weitere Informationen finden Sie in diesem PDF-Dokument und unter www.sonnentor.at

Inhaltlich Verantwortlicher für diesen Artikel:
www.sonnentor.com | SONNENTOR Kräuterhandels GmbH, Sprögnitz 10, A-3910 Zwettl

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