Die Blutegeltherapie
Gerade die Blutegel- und die Aderlaßtherapie werden häufig unter dem Bild der Mittelalterlichkeit gesehen. (Anmerkung: Im Jahr 1854 wurden allein in Frankreich 57 Millionen Blutegel verbraucht) Dies liegt zum einen daran, dass sich keiner die Mühe macht der hervorragenden Wirkungsweise nachzugehen und zu verwissenschaftlichen, zum anderen daran, dass einer konventionellen Arztpraxis, mit Patientenabfertigung im Fünfminutentakt, die Zeit fehlt, solch wirkungsvolle, jedoch zeitaufwendige Therapien anzuwenden.
Dem zum Trotz setzen gerade in neuerer Zeit viele chirurgische Kliniken in der plastischen Chirurgie und Transplantationsnachsorge wieder Blutegel ein, da angenähte Gliedmaßen mit Blutegel-Einsatz wesentlich besser anwachsen.
Ich wende den Blutegel gerne, häufig und mit großem therapeutischen Erfolg in meiner Praxis an.
Der Blutegel (Hiduro officinalis, Hiduro medicinalis) gilt als Fertigarzneimittel nach § 2 Abs. Nr. 1 Arzneimittelgesetz.
Rechtlicher Ausfluss daraus ist die Tatsache, dass jedem verkauften Blutegel ein Beipackzettel beiliegen muß und neuerdings, dass Blutegeln nur mehr von Apotheken verkauft werden dürfen.
Wann dürfen medizinische Blutegel nicht angewendet werden?
- Angeborene oder erworbene Bluterkrankheit (Hämophilie)
- Gleichzeitige Behandlung mit blutgerinnungshemmenden Substanzen
- Neigung zu Blutungen (hämorrhagische Diathese)
- Anämie bzw. Knochenmarkssuppression
- Infektionskrankheiten im akuten Stadium, Fieber
- Hochakute, blutende Magengeschwüre
- Bei immunsuppressiver Medikamentation
- Bei Kachexie und stark zehrenden Krankheiten
- Leukämie
- Während der Schwangerschaft sollten keine blutziehenden Maßnahmen durchgeführt werden
- Bei Kindern bis ca. 30 kg Körpergewicht sollte die Anwendung nur bei vordringlicher Indikationslage erfolgen.
Pathophysiologie der Blutegelanwendung:
Es ergänzen sich die Wirkung der Blutabnahme mit den segensreichen Wirkungen der rd. 15 Stoffe, die der Egel beim Saugakt in den Körper abgibt. Der Hauptwirkstoff davon ist Hirudin, ein Stoff der die Viskosität des Blutes entscheident verbessert (Infarkt- u. Schlaganfallprophylaxe).
Diese Herabsetzung der Gerinnungsneigung ist wichtig bei allen Prozessen, die mit einer Eindickung und Strömungsverlangsamung des Blutes einhergehen, also Plethora und Verfettung der Organe. Dabei kommt es immer zu Stauungen, sei es am Kopf, an der Schilddrüse, am Herzen, in der Lunge, vor der Leber, im Unterleib usw.
Das alte, zur Entzündung neigende Blut wird abtransportiert und macht frischem Blut Platz, welches den Heilungsprozeß vollendet. Die Entstauung wird von einer Abkühlung des Gewebes begleitet, was unvermittelt Entlastung bringt, wenn die Stauung zu Entzündung und Schmerz geführt hat. Zudem besitzt der Blutegel eine eigene Bakterienflora, die wegen ihrer ausgeprägten antibiotischen Eigenschaften sowohl gegen abscedierende als auch gegen phlegmonöse und septische Prozesse eingesetzt werden kann. Die rasche Entfieberung geht ohne Remissionen vor sich, da die Egelflora keinerlei schädliche Nebenwirkungen auf den Menschen hat.
Mit der Entspannung des Gewebes geht stets eine Beruhigung des Gemüts einher, was für den Heilungsverlauf nicht ohne Bedeutung ist. Speziell bei Frauen im Klimakterium verwandelt sich unter der Blutegelbehandlung das ganze Weltbild.
Anwendungsgebiete aus dem „Beipackzettel“ der Blutegel:

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